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Die „Blaue Blume“ der Nazis sollte wieder in Altona blühen

update 17.2.14:
Das „Mosaik unter Kaiser-Wilhelm Denkmal wird nicht freigelegt“
altona.info vom 15.2.14
darin: „Das Mosaik, das sich unterhalb des Kaiser-Wilhelm-Denkmals vor dem heutigen Altonaer Rathaus befindet, wird vorerst nicht freigelegt. “
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Daneben das Bild: Heinz Rühmann steht in seinem Film „Der Hauptmann von Köpenick“ direkt vor dem damals noch freigelegten Mosaik. Screenshot / ARD
+
„Das Thema soll auf Wunsch der CDU dennoch weiter besprochen werden, zumal das Bezirksamt Altona vorerst zwei Varianten für eine komplette Freilegung untersuchte. Eine könne auch noch sein, eine Art Sichtloch mit einer Acrylplatte freizumachen, die einen kleinen Blick auf einen Teil des Mosaiks verspricht. Der finanzielle Gesamtaufwand bei den vom Amt kalkulierten Varianten einer vollständigen Freilegung inklusive Treppen hätte zwischen 100.000 und 150.000 Euro gelegen, schätzte das Amt.“

Kommentar: Daß Heinz Rühmann, der Liebling aller deutschen Muttis und Opas, Teil der NS Filmpropaganda war, wird in dem Beitrag von altona.info nicht erwähnt, seine Popularität soll evtl. Stimmung für eine Freilegung machen – oder ist das ein weiteres Beispiel für die mangelnde Recherche Arbeit der Redakteure?
Die „Art Sichtloch“ mit Acrylplatte wäre evtl. sinnvoll: Acryl verkratzt sehr leicht, dann ist durch das Acrylglas nichts mehr zu sehen, doch: für diesen Preis könnte auch eine neue Gestaltung mit den Mosaiksteinen an Künstler aus dem Bezirk vergeben werden.  

————- 17.12.2013
In Altona wird sich auf die Verleihung der Stadtrechte am 23. August 1664 durch den dänischen König Friedrich III vorbereitet. Und wie so oft, soll vieles dann noch schöner und vor allem noch geschichtsträchtiger herausgeputzt werden, es werden immerhin 300 000 Besucher für den zentralen Festakt am 23.8.2014 erwartet. Was könnte noch schöner werden, am, im und um das Altonaer Rathaus?

Auch vor dem Rathaus soll es nach Meinung des selbsternannten Historikers W.Vacano schöner werden. Nur 10 000 € kosten soll nun noch die Freilegung eines „Hamburger Highlights“: das unter dem Vorplatz des Altonaer Rathauses verborgene Kornblumen Mosaik. (>elbe-wocheblatt.de).

Die blaue Kornblume – ein schwerst belastetes politisches Symbol – der lesenswerte Artikel aus Österreich stellt das zarte, blaue Pflänzchen in den historischen Kontext und macht klar, wie wenig das Kornblumen Mosaik sich für Feiern eignet.  Nicht zufällig vielleicht, daß gerade in Österreich, die Kornblume von den Neofaschisten der Fpö als politischen Symbol  für ihre Verbundenheit mit dem Antisemiten Georg von Schönerer (um 1880) und der 1933 (noch) illegalen Nazis in Österreich bei der Parlamentsfeier zum Nationalfeiertag am 27.10.13 an ihren Revers trugen.

Was nun?  Das Mosaik umgestalten und die bescheuerten Dettmannbilder teuer an reiche Nazifans verkaufen ?

Ausführliche Informationen zu >> Kornblumen << hier.

Im Rathaus wurde schon vorgearbeitet:“Im Rahmen der nächsten Sitzung des Hauptausschusses laden die Bezirksversammlung Altona und die Stiftung Denkmalpflege Hamburg zur Buchvorstellung der Publikation “Ludwig Dettmanns Gemälde im Altonaer Rathaus” ein. Der historische Bilderzyklus Dettmanns, der 1900 von der damals preußischen Stadt Altona in Auftrag gegeben wurde, stellt vier Schlüsselszenen der Altonaer Geschichte dar. Diese Bilder wurden nun restauriert und zusammengefügt.” (www.altona.info/2012/02/06)

Das Rathaus Altona ehrt  Ludwig Dettmann, einen Maler des NS-Staates, der Aufnahme fand in die “Führerliste” , auch “Gottbegnadeten-Liste” genannt. 1933, Eintritt in die NSDAP, 1938, Autor: “Ostfront. Ein Denkmal des Deutschen Kampfes”, 1939 in “Kunst im Deutschen Reich(Rosenberg-Organ) wird er als “Maler des Weltkrieges 1914-1918″ hervorgehoben. Er gehörte zum Vorstand des “Reichsverband bildender Künstler” und erwies sich bis an sein Lebensende als Anhänger des Nationalsozialismus. weitere Quellen:  Ernst Klee, Kulturlexikon zum Dritten Reich

Wie hoch die Kosten für die Restauration waren, ist nicht bekannt – doch wie das Wort „Restauration“ nahelegt, geht es wohl gerade darum: den geschichtsvergessenen Altonaern eine heile, alte Welt zu verordnen, auf dass wir alle Altonaer sind, ob als Nazi, Kommunist oder Sozi, egal, die von den Nazis ermordeten Juden sind nicht mehr hier, wer sollte noch etwas sagen gegen die Verdrängungen und Lügen der Täter und ihrer Kinder? Die historisch meist unterbelichteten Parteigänger – danach sieht es nicht aus.

Diskret wurde am 3. Februar 2012 auch ein schmales Büchlein vorgestellt: „Ludwig Dettmanns Gemälde im Altonaer Rathaus“ (©2011 ConferencePoint Verlag Idee und Konzept Irina v. Jagow/Stiftung Denkmalpflege Hamburg) Darin heißt es auf S.16: „Am 1.Mai 1933 trat er (< Ludwig Dettmann) der Nsdap bei. Seinen Lebenserinnerungen ist zu entnehmen, dass seine Weltanschauung jedenfalls in Teilen mit dem Nationalsozialismus übereinstimmte. Anerkennung wurde ihm in der Ns-Zeit unter anderem durch mehrere Staatsaufträge zuteil, mit denen er, wie schon im Ersten Weltkrieg, zur Glorifizierung kampfbereiter Soldaten und somit des Krieges beitrug. Seine späteren Auftragsarbeiten für den öffentlichen Raum sind durch dekorativ-flächenhaften, vereinfachenden Stil gekennzeichnet, mitunter dem Kunstgewerbe verwandt und durchaus geeignet, um eine radikale politische Botschaft zu transportieren. Damit hatte sich der Maler denkbar weit von seiner früheren künstlerischen Leistung entfernt. Am 19. November 1944 starb Ludwig Dettmann in Berlin.“

Kommentar: Ein Musterbeispiel an verdrängenden Halbwahrheiten liefert hier die Autorin Dagmar Jestrzemski: „seine späteren Auftragsarbeiten“ – damit ist die Malerei für den NS Staat gemeint, was dann dreist als „radikale politische Botschaft“ relativiert wird. Und was steht in „seinen Lebenserinnerungen“: „dass seine Weltanschauung jedenfalls in Teilen“ mit dem Nationalsozialismus übereinstimmte“, nun, das würde wohl auf fast alle Deutschen zutreffen – ein Wink an die „schweigende Mehrheit“ – er ist einer von uns? “ Die entsprechenden Textpassagen aus den Lebenserinnerungen des Malers Ludwig Dettmann werden nicht zitiert, und überhaupt, warum sollte er als Maler in seinen Lebenserinnerungen viel über seine politisch-weltanschauliche Einstellung kundtun?
Daß er „zur Glorifizierung kampfbereiter Soldaten und somit des Krieges beitrug“  – für wie dumm hat Dagmar Jestrzemski eigentlich ihre Leser kennengelernt, dass sie uns diese messerscharf herausgearbeitete Konsequenz aufdrängt? Krieg ist ja nun etwas Böses, das lernt jedes Kind in seiner Walddorfschule. Weiter möchte sie nicht gehen, sonst müsste es hier heißen: er trug zur Glorifizierung der NS Vernichtungskriege und des Holocaust bei.

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