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Radiosendungen

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Wer waren die Grundeigentümer an der Grossen Bergstrasse 160-180 (Ikea Baugrund) bis 1938 ?

Mitschnitt der Radiosendung von Judith Haman über „Eine Begegnung zum 70. Jahrestag der Pogromnacht 1938, zur Geschichte und Gegenwart in Altona, Große Bergstraße und anderswo“ am 9.11.2011 bei FSK 93,0 

„Auf dem Frappant Gelände, Nr.166-180 standen auch nach ‘45 noch einige Stadthäuser, Dokumente über die ehemaligen Besitzer waren nicht aufzufinden. Welche Umeignung hatte hier während der Nazizeit stattgefunden?“  (Grosse Bergstrasse 166-180 ist die Grundstücksangabe für die geplante Ikea Filiale)

Vor 4 Jahren warb Judith Haman beim Kulturausschuss der Bezirksversammlung Altona darum, ihre Recherchen und eine Veranstaltung am 9.11.2008 in der Blinzelbar zum Thema: „Eine Begegnung zum 70. Jahrestag der Pogromnacht 1938, zur Geschichte und Gegenwart in Altona, Große Bergstraße und anderswo“ als Erweiterung der behördlichen Gedenkfeiern zu unterstützen sowie die Hochsitze als dauerhafte Installation zur Erinnerung an die Pogromnacht 1938 zu erhalten. Das wurde von den CDU, GAL, SPD Vertretern im Kulturausschuss einstimmig abgelehnt.  Und am 23.11.2008 bekam sie die Aufforderung, „die Hochsitze bis spätestens 31.12.2008 von der Großen Bergstraße zu entfernen.“
Zuvor hatte sie bei „Anfragen in einigen Läden, wer denn Vorbesitzer des Hauses gewesen sei oder Fragen nach den Eltern, die den Laden übernommen hatten, (…) unklare oder recht abweisende Antworten.“ bekommen.
Warum diese oft aggressive Abwehr auf Fragen nach geschichtlichen Vorgängen?
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hier der vollständige Text über das Projekt und die Recherchen:

Ende der „Schonzeit“ – zum 70. Jahrestag der Pogromnacht 1938 in Hamburg Altona
Umgebungsrecherchen in der Großen Bergstraße

Die „Kunst“ des Herrschens der Nationalsozialisten, wie sie sich auch in Altona zeigte, offenbarte sich für die Mehrzahl der Deutschen nicht nur in „Nacht- und Nebel-Aktionen“ der Gestapo, sondern vielmehr in dem unheimlichen, jedoch entwaffnend harmlos erscheinenden System der gegenseitigen Überwachung auf Nachbarschaftsebene. Altona war in 32 Ortsgruppen unterteilt, die in Zellen und Blöcke und Hausgruppen gegliedert waren. Der berüchtigte Obersturmbannführer Hubert Richter wohnte in der Großen Bergstraße 130b.
Die Große Bergstraße reichte damals vom Altonaer Bahnhof bis zum Nobistor. Hier war das Zentrum jüdischer Geschäfte in Altona. Die jüdische Gemeinde zählte etwa 2.500 Menschen, am 1.4.1933 kam es zu ersten Boykottaktionen gegen jüdische Geschäfte. Einen Tag nach der Pogromnacht, am 10.11.38 begannen Verhaftungen und Deportationen.

Der 70. Jahrestag der Pogromnacht 1938 war Anlass für historische Recherchen über die Große Bergstraße und für die Veranstaltung eines Rundganges mit Filmen, Bildern und Diskussion in der Blinzelbar, Große Bergstraße 158.

Die Einladung zum 9.11.2008 zeigte den Straßenplan der Großen Bergstraße von 1937 und Texte eines Flugblatts der Weißen Rose. Der Stadtplan und das Adressbuch von 1937/38 waren Grundlage für mich, eine Karte der Großen Bergstraße mit den damaligen Nebenstraßen anzufertigen und darauf die Hausnummern und Namen der Ladenbesitzer nach Unterlagen aus den Archiven einzutragen. Flugblätter der „Weißen Rose“ wurden auch in Altona im Keller von Prof. Dr. Günther Braun gedruckt. Er war Chefarzt für Hautkrankheiten im Altonaer Krankenhaus. Als jüdischer Arzt durfte er nicht mehr praktizieren, musste als „Krankenbehandler“ in seiner Wohnung Schillerstraße 40 arbeiten, bis er und seine Familie deportiert wurden.

Rundgang am 9.11.2008

Der Rundgang begann vom Nobistor kommend Große Bergstraße Nr.39, heute Louise-Schröder-Straße, damals gab es dort Emma Nickels, Fischladen, dann Abraham Katz, Frisiersalon. An den Rabbiner Eduard Duckesz, der in Altona als Lehrer tätig war, ermordet 1944, wird auf dem gegenüberliegenden jüdischen Friedhof erinnert. Drei Gebäude Große Bergstr.18, 20, 22 waren „Judenhäuser“. Hier wurden jüdische Altonaer bis zur Deportation auf engstem Raum untergebracht, denen man die Wohnungen weggenommen hatte; der Rundgang dokumentiert weiter die Wohn und Geschäftsorte von: Samuel Rosentreter, August Steinberg, Fiedlers Strumpfladen, dessen Inhaber Bernhard Rosen im Juli 1938 auswanderte, das Kaufhaus Gustav Nathan, daneben Max Salomon, im Hinterhaus Ehrhorn, Katz, Lorenz, Eichberg, Grünbaum, Nagelberg, dann Tauerschmidt, Sternberg, Bösenberg, Kitzky, Morgenstern, Woll-Meyer, Hirschel, Rosenberg, Freudenberg. Der Rundgang umfasste ca. 40 Hausnummern mit nachweislich jüdischen Bewohnern oder Besitzern. Bei dem Rundgang wurden alle Orte jüdischer Bewohner und Läden mit weißer Farbe auf dem Gehweg gekennzeichnet.

Große Bergstr. 219-223, vor dem ehemaligen Wohnort von Maria und Paul Chrupella, Zeugen Jehovas, wurden vor 2 Jahren die einzigen Stolpersteine in dieser Straße verlegt.

Auf dem Frappant Gelände, Nr.166-180 standen auch nach ‘45 noch einige Stadthäuser, Dokumente über die ehemaligen Besitzer waren nicht aufzufinden. Welche Umeignung hatte hier während der Nazizeit stattgefunden?
Die Häuser wurden in den 70er Jahren abgerissen und das erste Einkaufszentrum Deutschlands, das Frappant gebaut, demnächst steht hier ein Ikea-Klotz, mitten im Wohngebiet.

An der Ecke Große Bergstr. 250/Poststraße war das Cleja-Stift mit kleiner Synagoge und jüdischem Altenstift, es wurde später zum „Judenhaus“ erklärt. Nach 1948 genehmigte die Baubehörde Hamburg Gewerbetreibenden den Teilwiederaufbau; der Eintrag über die Eigentumsverhältnisse im Grundbuch fehlt.

Letzte Station des Rundgangs war Große Bergstr. 266 „Handelshof“, ehemals Amt für Beamte des NSDAP Reichsbund, Stadtkreis Altona und Teil der Gemeindeverwaltung, bis vor 5 Jahren war hier das Altonaer Finanzamt. Auf Anfragen in einigen Läden, wer denn Vorbesitzer des Hauses gewesen sei oder Fragen nach den Eltern, die den Laden übernommen hatten, bekam ich unklare oder recht abweisende Antworten.

Dem Kulturausschuss im Altonaer Rathaus wurden diese Recherchen vorgestellt mit dem Anliegen, die Gedenkveranstaltung des Bezirksamtes zur Pogromnacht mit dem Rundgang auf der Großen Bergstraße zu erweitern. Um sich vor Ort die nachbarschaftlichen Verhältnisse vor Augen zu führen, die es möglich machten, daß sämtliche jüdische Ladenbesitzer und Bewohner vertrieben und deportiert wurden.

Die Fraktionen CDU/SPD/Grüne/GAL entschieden dagegen. Die behördliche Gedenkfeier fand auf dem Platz der Republik statt.

 Ende der „Schonzeit“

Ab Juni 2008 standen zwei Hochsitze auf der Großen Bergstraße vor der Blinzelbar. Die fremdartig und deplatziert wirkende Installation sollte ein Angebot sein, aus einer neuen Perspektive brisante Themen der Umgebung zu diskutieren. Bei den wöchentlichen Kanzelreden auf den Hochsitzen sprachen Anwohner und Vertreter politischer Parteien und Institutionen. Die Hochsitze sollten als Symbole des Rechts auf freie Meinungsäußerung wirken und dazu beitragen, eine Nachbarschaft im demokratischen Sinne herzustellen. Das Projekt „Eine Begegnung zum 70. Jahrestag der Pogromnacht 1938, zur Geschichte und Gegenwart in Altona, Große Bergstraße und anderswo“ sollte den Horizont um eine historische Dimension erweitern. Bei der Veranstaltung am 9.11.08 wurde der Vorschlag formuliert, die Hochsitze als Symbol für die Pogromnacht in Altona zu erhalten. Ein entsprechender Antrag wurde beim Kulturausschuss Altona eingereicht, jedoch nicht öffentlich diskutiert. Am 23.11. kam die Aufforderung, die Hochsitze bis spätestens 31.12.2008 von der Großen Bergstraße zu entfernen.

Die Blinzelbar war von 2005-2010 ein Kunstraum in der Großen Bergstraße 158. Mit dem Begriffsfeld „opakes Displacement“ versuchten wir durch künstlerische Interventionen die Belange im Sanierungsgebiet mit gestalten zu können.

Judith Haman, Heiner Metzger Hamburg, Oktober 2012

http://www.hierunda.de/archiv/Blinzelbar2008/Begegnung_Blinzelbar_Pogromnacht_20081109.html

http://www.hierunda.de/archiv/schonzeit/schonzeit-08.html

 

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IBA/IGS als Verdrängungsmaschine .. Radiosendung: 31.03.2012, 14:00 – 17:00 FSK 93,0 / 101,4mhz

der Mitschnitt >>


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Kunst, Kultur & Kohle… und gute Beziehungen? Die Rolle von Kunst und Kultur im Aufwertungsprozess Wilhelmsburgs. Ein ganzer Stadtteil wird ganz offiziell und mittels einer Aufwertungsmaschinerie umgewandelt; viele der dort lebenden Menschen müssen Wilhelmsburg bald verlassen.

Wir berichten vom Wilhelmsburger KulturStammtischSued (KUSS), der ein Jahr vor dem Riesenevent IBA und der IGS Bilanz zieht und fragt: „Haben (unsere?) kulturellen und künstlerischen Arbeiten dazu beigetragen, die Gentrifizierung des Stadtteils zu fördern (oder zu verhindern)?“
Im Studio diskutieren wir die Entwicklungen in Wilhelmsburg mit Beteiligten vom Arbeitskreis Umstrukturierung (AKU), Bürgerhaus Wilhelmsburg, Natur | Kultur (IBA Elbinsel Sommer 2008) und Südbalkon.
Im Studio: Rahel Puffert, Heiner Metzger, Lena Kaiser und Michel Chevalier
http://www.fsk-hh.org/transmitter/ibaigs_als_verdraengungsmaschine/62995

 

Altona abroad – oder wohin führt die kreative Revolution 2012 ? FSK 31.12.11 – 14 – 20.00

Radiosendung  FSK 93,0/101,4 Mhz      31.12.2011    14 – 20.00

hier ein Mitschnitt der 6 Stunden  >>>>


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Altona Abroad #3
Ein kritischer Rückblick auf 2011
– Mietenwahnsinn, Vertreibungspolitik und Gefahrengebiete
–  Kunst in den Fängen von IBA, Hafencity und Kreativwirtschaft
– Hamburg auf dem Weg in die Zwei-Drittel-Gesellschaft?
– Aufstand, oder alles Theater?
– „Altonas neue Kunstwelt“- Was treibt die Kreativ Gesellschaft mbH?
– Das Elbphilharmonie Debakel       …      ?  ?   ?   ?   ?   ?
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Musik von: Gorge Trio/Kasai Trio, Tisch 5, Charlie Parker, Daphne Oram, Tied & Tickled Trio, Tumorchester, Sax Ruins, Dead Rider, Rig Rip and Panic, Anne Laplantine, Brian Settles + Central Union, Ornette Coleman, Amy Whinehouse, Keiji Haino, Deerhoof, Slint, Prince,the Minutemen, Sun Ra Medeski Martin & Wood,  Costa Gröhn, Helgoland, Eric Dolphy, Big Bill Broonzy, Eugene Chadbourne, Sam Rivers…

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Im Studio: Michel Chevalier, Bettina Goebel, Jon Hagen, Judith Haman, Lena Kaiser, Heiner Metzger, Rahel Puffert.
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http://www.fsk-hh.org/blog/2011/12/29/am_samstag_den_3112_von_14_20_uhr_altona_abroad

erster Text:
Wir flanieren durch Altona, staunen über das Verschwinden der Straßenmusiker in der Ottenser Einkaufsmeile, die Verwandlung der Großen Bergstraße und eine subventionierte Kulturetage. Rätseln über neue Wohnanlagen, die sich „Lebensfreude Altona“ nennen, die einschläfernde Bürgerbeteiligung an Hamburgs größten Bauprojekt in den nächsten Jahren und Bunker die sich in Energielieferanten verwandeln sollen.

Und, wir stolpern hinein in den Salon für die Hamburger Kreativwirtschaft „wildWECHSEL 2011“ (11.11.11). Inmitten der „kreativen Revolution“ und anderen kulturpolitischen Spezialitäten führten wir einige Interviews mit illustren Gästen aus der Hamburger Kulturszene (Willfried Maier, Kultursenatorin Barbara Kisseler…)

Die Pogromnacht 1938 in Hamburg Altona, wie 2008 und jetzt daran erinnert wird

Jüdischer Friedhof/ Jewish Cemetery Hamburg Al...

Image via Wikipedia

Mitschnitt der Radiosendung  >>
Ein Gang durch die Grosse Bergstrasse in Hamburg Altona. Bei dem die zahlreichen juedischen Geschaefte, Kultureinrichtungen und Synagogen beschrieben werden, die vor der Pogromnacht Altona Altstadt zu einem Zentrum juedischen Lebens in Hamburg machten. Judith Haman beschreibt in ihren Beitraegen das nahezu vollstaendige Verschwinden der juedischen Kultur in Altona, von den Nazis vorbereitet, seit 1933 gezielt vorbereitet und exekutiert bei den Pogromen 1938, mit Unterstuetzung vieler Anwohner.

2008 hatte Judith Haman am 9.11.einen Rundgang, ausgehend von der Blinzelbar in der Grossen Bergstrasse veranstaltet. In Gespraechen, Informationen, Bildern und Filmen zur „Geschichte und Gegenwart in Altona und anderswo“ stellte sie ihre Dokumente ueber das juedische Leben in Altona vor und sprach mit den Besucher_innen ueber deren Kenntnisse. Ein Unterstuetzungsantrag beim Altonaer Bezirksamt wurde abgelehnt. Die behoerdliche Gedenkveranstaltung wollte keine Notiz von ihrem Rundgang nehmen.

Weitere Informationen und Bilder von der Rauminstallation „Eine Begegnung zum 70. Jahrestag der Pogromnacht 1938“ am 9.11.2008 in der Blinzelbar (Hamburg Altona, Grosse Bergstrasse 158)
auf der  Blinzelbar Webseite >>>

Sa. 29.10.11 14 – 17.00 Altona Abroad 2 bei FSK 93,0/101,4 mhz + livestream

Mitschnitt der Radiosendung Altona abroad 2 – 29.10.2011 – FSK 93,0/101,4 mhz  >>

Altona abroad 2   Radiosendung

Ein akustischer Spaziergang von der neuen „Mitte Altona“ Richtung Elbe über die Große Bergstraße, die Viktoria Kaserne zur Schomburgstraße. Viktoria Kaserne – die Kreativen und die Stadt, Bahngelände – Denkpause oder alles in trockenen Tüchern ?
Bahndirektion, Seefahrtsschule – die Architekten und Markendesigner kommen, Sichelfläche am Kaispeicher D, der Ikea Bunker und welche „Spezialisten“ hier tätig sind, Kebap – was kann werden aus dem Bunker in der Schomburgstraße ?
> Demoberichte „Mietenwahnsinn stoppen“
Studiogäste:
Thomas Leske, Altopia, Robert Jarowoy, Fraktionsvorsitzender der Linken in Altona, Dorothee Daphi, annaelbe, Daniel Behrens, Frappant e.V., Heike Breitenfeld und Julian Stolte, Kebap
Dj: Michel Chevalier.
Redaktion, Moderation: Bettina Göbel,  Jon Hagen, Judith Haman, Lena Kaiser, Heiner Metzger, Rahel Puffert, Dörte Schmidt-Reichhardt und Johannes Kohl

Altona Abroad 2

Samstag, 30. Juli 2011 14 -17.00 „Altona abroad“ Radiosendung bei FSK 93,0/101,4 mhz

Der Mitschnitt von  >>„Altona abroad“ (3h:

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Ein Spaziergang entlang der Großen Bergstraße zum Altonaer Bahnhof
Masterplan oder Zukunftsplan? ∙ Mietpreisentwicklung ∙ Abriss und Neubau ∙ Kunst und Nicht-Kunst ∙ Was heißt es in einem Haus zu leben, das umgebaut wird? ∙ kalte Winter ∙ harte Kämpfe ∙ Bürger- und andere Begehren ∙ Beteiligungsverfahren ∙ Planungslosigkeit und Intransparenz ∙ Rückblick und Weitsicht ∙ …
Im Studio:
Bettina Goebel (Freiberuflerin) |  Jon Hagen (Maler, Grafiker) | Judith Haman (Bildende Künstlerin, Blinzelbar, ehemalige 1.Vorsitzende des Frappant e.V.)
Lena Kaiser (Sozialwissenschaftlerin und freie Autorin) | Heiner Metzger (Musiker, Blinzelbar) | Rahel Puffert (Kulturwissenschaftlerin, Publizistin)
Mit Aktiven aus den Initiativen Altopia, Autonomes Zentrum Altona, Avanti, Ein Gang zulegen (angefragt), Altonaer Plattform gegen Verdrängung, aus der ag-Mieten im Netzwerk Recht auf Stadt, selbstverwaltetes Stadtteilzentrum in Altona, Frappant e.V. in der Viktoria Kaserne

FSK Livestream

Privatisiert Ikea bald Altona-Altstadt? Radiosendung FSK 93,0 Sa. 31.7.2010

Studiodiskussion   Samstag, 31. Juli 2010   14 – 17.00 bei  FSK 93,0/101,4 mhz ……..

Mitschnitt der Studiodiskussionen:

mit:  Dodo Adden (Kulturschaffender, Frappant e.V.) | Skrollan Alwert (feuerloescher tv) | Benjamin Häger (Frappant e.V.) | Judith Haman (Blinzelbar im Frappant) | Tina und Maike (Initiative „Kein-Ikea-in Altona“) | Michael Sauer(Bezirksabgeordneter „Die Linke“) | Christoph Twickel (Initiativen „Einen Gang Zulegen + Not in our Name, Marke Hamburg“) 

Moderation: Heiner Metzger


Es war still geworden um den Plan von Ikea, ein Möbelhaus an der Großen Bergstraße in Altona anzusiedeln. Der geplante Abriß des Frappant Gebäudes wurde auf den Dezember 2010 verschoben. Am 27. Juli gab die Pressestelle des Senats nun bekannt: „Die Behörde für Stadtentwicklung (BSU) hat den Bauvorbescheid für die Ansiedlung von Ikea in Altona erteilt. Auf 21 Seiten ist dokumentiert, unter welchen Bedingungen und Auflagen das Vorhaben grundsätzlich genehmigt werden kann.“ Über Inhalte, Vorgaben oder Auflagen schweigen sich beide Seiten aus. Die Kaufentscheidung des Konzerns für das Frappant Gebäude wird nun verhandelt, doch entweder werden die schon bekannten Baupläne realisierbar oder der Möbelkonzern wird seine Finger davon lassen. Ein Möbelhaus über die Grundstückgrenzen, 12 Stunden Öffnungszeiten, Midnightshopping und 982 Pkw-Stellplätze müssen sein. Nur wenige Wochen davor brachten die Bezirkspolitiker der regierenden CDU/GAL Koaltition ihre kreativen Einfälle ins Gespräch: der Fußgängertunnel vom Altonaer Bahnhof in die Große Bergstraße sollte an Ikea übergeben, eine „Ikeabus“linie eingerichtet und der Goetheplatz zur erweiterten Ikea Restaurant- und Einkaufszone umgestaltet werden. Doch der Bezirk Altona hat nichts mehr zu entscheiden. Das Genehmigungsverfahren zum Bau der Ikea Filiale wurde im Januar vom Hamburger Senat „evoziert“, er entscheidet seitdem über die Bauvorgaben. Im Juli wurde dann die Planung für die „Mitte-Altona“* evoziert, und wen wunderts, am 22. Juli stimmten die CDU/GAL Fraktionen in der Altonaer Bezirksversammlung für eine Übertragung der Zuständigkeit an die BSU für die nächsten 15 Jahre. Keine „soziale Erhaltungsordnung“ wird es für das Gebiet Große Bergstraße/ Nobistor geben: „bei der Errichtung von zusätzlichem Wohnraum ist in ausreichendem Maße attraktiver Wohnraum für Haushalte mit mittlerem bis höherem Einkommen zu schaffen und die Sozialstruktur im Gebiet positiv zu verändern“ (aus dem „Erneuerungskonzept“ des Bezirksamts Altona). Die von den Gegnern der Ikeaansiedlung prognostizierten negativen Folgen: zuviel Verkehr, die Verdrängung von Haushalten mit niedrigeren Einkommen, ein selten häßlicher Gelber Klotz mit Rundumdieuhrshopping in einem Wohnquartier könnten bald Realität werden.


Der Bürgerentscheid im Januar hat ein Verstummen der öffentlichen Diskussion bewirkt, doch, ist jeder Widerstand, jegliche Kritik nun aussichtslos oder könnte sie Ikea gar vor einer großen Dummheit bewahren ? Die „Recht auf Stadt“ Bewegung, wendet sie sich nun anderen Themen zu oder ist sie eher mit sich selbst beschäftigt ? In die Viktoriakaserne sind viele Frappantkünstler umgezogen, der Mietvertrag läuft bis April 2011 – und dann ?

* „Mitte-Altona“ wird das gesamte bisherige Bahn-und Postgelände vom Altonaer Bahnhof bis über den Diebsteicher Bahnhof hinaus genannt.

„Lebst du schon, oder wohnst du noch“ Radiosendung FSK 93,0/101,4 | 15.8.2009 …14 – 17.00

Mitschnitt: Radiosendung FSK 15.8.09 14 – 17.00
hier alle 3 Stunden der Radiosendung:

In der Sendung wird Ikeas Schmutzwäsche sortiert, mit Anwohnern und Mietern des Frappant Gebäudes gesprochen.

Das Möbelhaus Ikea soll Altona „kreativ“ zurichten, den „Schandfleck Frappant“ entfernen und „das gesamte Umfeld aufwerten“, die regierende Politik klatscht Beifall. Über 35 Meter hoch soll der neue Ikeaklotz werden, mit sieben bis acht Stockwerken für Verkaufsflächen und Parkdecks für die 6000 an-und abfahrenden Kunden-Pkws, die Ikea täglich erwartet.
Wie die zwei kleinen Straßen, die dort hinführen, den Verkehr bewältigen sollen, was es für die Anwohner bedeutet, daß sich die Mieten in der Umgebung erhöhen werden; für die Lokalpolitiker von CDU, GAL und SPD scheint das kein Problem. Sie begrüßen die Ansiedlung von Ikea in der Großen Bergstraße. Und befürworten den Abriß des Frappantgebäudes und damit den Rauswurf der über 140 KünstlerInnen,  die Räume im Erdgeschoß und im 4., 5., 6., und 7. Stock des Frappantgebäude angemietet haben. Die sich hier Werkstätten, Ateliers und Studios eingerichtet haben, Konzerte, Ausstellungen und Videofestivals veranstalten und an einem Konzept für die weitere Nutzung des Frappantgebäudes als Kultur-und Sozialzentrum arbeiten.

Wozu hat der Hamburger Senat Anfang Juli 2009 die Gründung einer „Kreativagentur“ und eines „Fonds für Kreativ-Immobilien“ beschlossen? Um ein Imageproblem zu beheben: Hamburg wird nicht als „kreative“ Stadt wahrgenommen – von Bewohnern, Politikern und Touristen.

Eine Sendung mit aktuellen Informationen über die Ikea-Pläne, den Ikea Konzern, Aktionen gegen Gentrifizierung in Altona und die „kreativen“ Versuche der regierenden Politik, jeden Freiraum  mit dümmlichen Konsumklötzen zu erschlagen.

mit Cläre Caspar – Kostümdesignerin im Fappant, Florian/avanti, Judith Haman – bildende Künstlerin/Blinzelbar im Frappant, Jonas/Centro Sociale, Ulrich Mattes – bildender Künstler/Dachverband aktuelle Kunst Hamburg, Michael Sauer – Anwohner und Bezirksabgeordneter im Bezirk Altona / Die Linke, und weiteren Gästen.

Moderation: Heiner Metzger

Freies Sender Kombinat

Umfrage: Wer wulfft in Altona am meisten ?

Die vierte Gewalt klärt auf !

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